Liebe UN, herzlichen Glückwunsch zur neuen Weltkarte!
Auch Mercators Nachbarn freuen sich über die neue Weltkarte „Equal Earth“, über die kürzlich in der Vollversammlung der UN abgestimmt wurde. Afrikanische Länder hatten sich eine Weltkarte gewünscht, auf der Afrika im richtigen Größenverhältnis zu anderen Kontinenten gezeigt wird.
Bild (Wikimedia): Die Erdoberfläche in einer „Equal Earth“ Projektion: Da die Längengrade gekrümmt werden, ist die Gestalt der Länder zwar verformt, aber die Flächen sind in fast richtiger Größe zueinander dargestellt. Equal Earth ist also keine mathematisch exakte, aber eine „gefühlt faire“ Darstellung, die gesellschaftliche und politische Diskussionen, etwa über Ressourcenverteilung oder Klimawandel, erleichtern kann.
Wer sich bei Mercators Nachbarn mal kundig gemacht hat, der weiß natürlich, dass es überhaupt keine „falsche“ oder „richtige“ Weltkarte gibt. Das Grundproblem aller Kartografen ist, von der gewölbten Kugeloberfläche der Erde eine flache Darstellung auf eine Karte zu projizieren – von dreidimensional herunter auf zweidimensional vereinfachen – das funktioniert nie ohne Verluste und Verzerrungen!
Deshalb existieren viele unterschiedliche Projektionen vom Globus auf eine Karte, man muss also immer die für einen bestimmten Zweck passende Projektion auswählen. Auch von Gerhard Mercator sind drei unterschiedlich Projektionen bekannt, eine war die Leitkarte in seinem großen Atlas: Die Welt wird von seinem Sohn Rumold in zwei Hemisphären (Halbschalen) abgebildet – hier wird Afrika übrigens schon ziemlich gut gezeigt! Man könnte meinen, dass sich auch Mercator den Forderungen nach einer „schön anzusehenden“ Erdoberfläche nicht verschlossen hat…
Bild (Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg): Alte und neue Welt, in zwei Halbschalen konstruiert. Diese Karte wurde im Atlas von 1595 zum Aufmacher für den gesamten Kartenteil. Das Original befindet sich im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg.
Aber warum wurde ausgerechnet die Weltkarte in Mercator-Projektion von 1569, bis in unsere Zeit so häufig benutzt? Sie zeigt die äquatornahen Länder und Kontinente, etwa Afrika, sehr klein und die zirkumpolaren Länder, etwa Grönland, sehr groß, also teils stark flächenverzerrt. Gerhard Mercator konstruierte diese ungewöhnliche Projektion, weil nur so ein Kapitän seine Route über die Meere als gerade Strecke auf der Karte einzeichnen und somit den richtige Kompasskurs ablesen konnte. Im Titel der Weltkarte nannte der Duisburger Kartograf auch den Zweck der Karte: „ad usum navigantium“, also „zum Gebrauch bei der Seefahrt“. Auf dieser alten Karte beruht in der modernen Version UTM (Universale Transversale Mercatorprojektion) auch noch heute unsere gesamte heutige Navigation zu Lande, auf dem Meer und in der Luft, deshalb wird sie so häufig angewendet.
Die neue „Equal Earth“-Weltkarte hat das Ziel, die Größen der Kontinente sehr schön anschaulich zu machen, jedoch in Urlaub fahren kann man damit nicht! Zur exakten Navigation ist sie völlig ungeeignet, da muss man weiterhin auf den alten „Mercator“ zurückgreifen. Das war den Ländern bei der Abstimmung auch völlig klar, wie aus den Festreden hervorgeht.
Übrigens, nur die Vereinigten Staaten stimmten gegen die Resolution – könnte es daran liegen, dass Grönland hier zwar flächentreu, aber aus präsidialer Sicht zu unattraktiv in seiner Kleinheit dargestellt wird?
Bild (Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg): Weltkarte von 1569 mit Projektion der wachsenden Breiten
